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Flahstraß - Geschichte

Flahstraß
Straßenansicht von Flahstraß

Flahstraß ist ein Straßendorf. Der Name erinnert an eine ehemals bedeutende Straße.
Möglicherweise ist Flaas mit Flachs in Verbindung gebracht worden. In früherer Zeit gehörte Flahstraß zum Jülicher Amt Randerath. Über die Geschichte der Siedlung ist wenig bekannt. Sie ist wahrscheinlich erst im 18. Jahrhundert entstanden.

Flahstraß hatte 1828 insgesamt 67 Einwohner, 1852 waren es 70 Einwohner und der Ort gehörte zur Bürgermeisterei Würm und damit zum Amt Immendorf-Würm.
Im Zuge der Gebietsreform wurde zum 1. Januar 1972 das Amt Immendorf-Würm aufgelöst. Rechtsnachfolger ist nach § 29 des Aachen-Gesetzes die Stadt Geilenkirchen.

Bevölkerungsentwicklung
Einwohner einschl. Nebenwohnsitze
2015: 141, 2016: 146, 2017: 149, 2018: 151, 2019: 155, 2020: 145, 2021: 151
Quelle: Meldeprogramm der Stadt Geilenkirchen


Ein Himmelreich abseits der Straßen
Ausschnitt aus den Rur-Wurm Nachrichten vom 07. Januar 1974

Ursprung von „Flahstraß" noch nicht eindeutig geklärt - 1910 gab es ganze 13 Häuser.

Geilenkirchen. - Wer Flahstraß im Kreis Heinsberg sucht, muß schon eine sehr gute Landkarte haben, um diesen Ort kartographisch verzeichnet zu finden. Der Ort Flahstraß, einst zur Gemeinde Würm gehörend und heute Ortsteil von Geilenkirchen ist nicht auf Autokarten, sondern auch in den Heimatkalendern des Selfkantkreises abgedruckten Kreiskarten des ehemahligen Kreises Geilenkirchen nicht zu finden, die vergrößerter als Ausschnitt aus der deutschen Generalkarte verlegt ist und von einem Werbeunternehmen an Behörden und Geschäftsleute ausgegeben wurde und Kunden eines Kreditunternehmens im Kreise Heinsberg als Aufmerksamkeit präsentiert wird.Wer das amtliche Buch „Postleitzahlen" als Hilfsmittel zum Auffinden dieses Ortes zur Hand nimmt, findet sich ebenso im Stich gelassen wie zum Beispiel der Fremde, der bei Einfahrt in den Kreis Heinsberg bei der Frage nach dem Wege nach Flahstraß bei Straßenpassanten häufig nur ein Achselzucken auslöst. Dabei ist Flahstraß schon längst keine Siedllung von wenigen Häusern mehr, sondern ein schmucker, langgestreckter Ort, an dessen Straße beidseitig schöne Wohnhäuser und moderne Bungalows stehen.
Wer auf der Suche nach Flahstraß mittels des amtlichen Telefonbuches den Tip
„Richtung Geilenkirchen" erfahren hat, stutzt möglicherweise über die Schreibweise.
Amtlich Flahstraß 1925 und 1935 als „Flaßstraß 1966 und 1963 (und auch heute) als „Flahstraß" und auf der wissenschaftlichen Karte von Tholen als „Flasstraß" ausgewiesen. In der Dr. Kuphalschen Karte, verfertigt und erweitert nach den ersten kartographischen Aufzeichnungen in der napoleonischen Zeit, wird diese Siedlung am Bruch westlich der Wurm zwischen Würm und Randerath gelegen, Flachtras genannt.
Im ersten Adreßbuch für den ehemaligen Kreis Geilenkirchen aus der Zeit nach 1900 heißt es entgegen anderer Schreibweise zu späterer  Zeit „Flahstraß" wie auch heute die Schreibweise für Flahstraß ist. In Flahstraß gab es im Jahre 1910 dreizehn Häuser mit 15 Familien, davon ein Familienvorstand als Schreiner, drei Korbmaoher, fünf Landwirte, ein Faßbindermeister und Tagelöhner. Im .Jahre 1935 sind 64 Einwohner ausgewiesen, Die „Bevölkerungsexplosion" begann, nach dem letzten' Krieg, als das "Bestreben zahlreicher Bewohner nach einem Eigenheim realtsierbar wurde und hier in Flahstraß Bauland zur Verfügung stand. Das Klima ist durch die Regulierung der Wurm gesünder geworden. Nur. abseits der großen Straßen, so liegt Flahstraß noch heute wie vor vielen, vielen Jahren.
Wie alt diese menschliche Ansiedlung ist, ist bis heute nicht geklärt. Spärlich sind die Publikationen über den Ort. Ausführlich hat sich mit ihm Mitte der zwanziger Jahre Dr. Joseph Gotzen hinsichtlich, des Namens befaßt. Bei Gotzen ist nachzulesen, daß „Flaßstraß" sowie der Ort damals amtlich genannt wurde, mit Flaas „Flachs" in Verbindung zu bringen sei, wie Flaß (Kreis Bitburg), Flasdiek (Kreis Mettmann) und Flaßrath (Kreis Grevenbroich). Erläuternd führt Dr. Gotzen in seiner Abhandlung aus, daß bei Flahstraß eine Flachsstraße etwa in den Sinne gewesen sein könne, daß „dort an der Seite der Straße viel Flachs im Wasser lag. „Der Flachs mußte", so heißt es weiter, „vor seiner Weiterverarbeitung eine Zeitlang in Wasser ,,ertränkt" werden, wovon manche Pfühle in den Ortschaften den Namen „Flaaßpool" trugen.
Aber die heutige amtliche Schreibung des Namens, so Dr. Gotzen in seiner Abhandlung von 1925, ,,ist wohl nicht die richtige, insofern als sie der Bedeutung des Wortes nicht entspricht. Früher, also vor 1925, wurde nach Dr. Gotzen der Name Flastraß geschrieben und, so führt er weiter aus, in der Umgebung „Flastroet" gesprochen. Aus diesem Grunde kam Dr. Gotzen zu der Vermutung, daß det Name des Ortes mit FIa oder Flade in Verbindung zu bringen sei, dessen Grundbedeutung „Fläche", insbesondere „runde Fläche" auch in dem bekannt en Kirmesgebäck des hiesigen Bezirks, dem Flaa, zum Ausdruck kommt.
Aus welchem Grunde und unter welche: Umständen die Benennung der Siedlung entstanden ist, vermochte Dr. Gotzen nicht erforschen. ,,Vielleicht, so Dr. Gotzen, ist sie auf einer Flur angelegt worden, die schon vorher wegen ihrer Form die „Fla" hieß, sodaß dadurch die Bezeichnung „Straße in der Fla" gegeben war. Es könnte aber auch, Dr. Gotzen, Volkswitz hinter der Benennung stecken. .,Vielleicht", so führt er aus, ,,liebten die ersten Siedler das Flabacken so sehr, daß man bei ihnen richtig in der „Flahstraß lebte, wie an anderen Orten im „Himmelreich".

Man kann sogar, so ebenfalls Dr. Gotzen, an Fla im Sinne von Kuhfladen denken, weil zum Beispiel die Straße zugleich die Viehtriebe von Honsdorf zur Weide war, dann war sie wohl meistens derart mit Kuhfladen bedeckt, daß die scherzhafte Bezeichnung Flahstraß leicht entstehen konnte. Die Zeiten hat sich geändert, das Leben auch, Aus einer kleinen Siedlung ist ein schöner und sauberer Ort geworden, in dem es sich gut leben läßt.
Wie hätte Flahstraß sonst so viele Baulustige angezogen?